Netzwerk-Infrastrukturen brauchen digitale Twins

Netzwerk-Infrastrukturen brauchen digitale Twins

| 20. Januar 2017 | Kommentar

R&M empfiehlt konsequente Digitalisierung. Die Menge der physikalischen Verbindungen in Datennetzen ist manuell kaum noch zu beherrschen.

„Digitalisierung der Wirtschaft ohne ausreichende Netzwerkinfrastruktur ist wie eine Eisenbahn ohne Schienen“, stellt der Marketingchef des Verkabelungsspezialisten R&M AG, Andreas Rüsseler, in einem Marktausblick fest. R&M, der weltweit tätige Schweizer Entwickler und Anbieter von Verkabelungssystemen für hochwertige Netzwerkinfrastrukturen mit Sitz in Wetzikon, erwartet 2017 eine steigende Nachfrage nach ganzheitlichen Lösungen für Netzwerkinfrastrukturen. „Die Verkabelung mit Kupfer- und Glasfasersystemen bleibt die physikalisch notwendige Basis der Digitalisierung – wie Schienen für den Bahnverkehr. Aber mit der Verkabelung allein ist es heute nicht mehr getan“, sagte R&M CMO Andreas Rüsseler. Die Gebäude- und Netzwerkinfrastrukturen selbst müssen digitalisiert werden.

„Zunächst muss die Basis der Netzwerke richtig dimensioniert und zuverlässig sein, um die vielfältigen Anwendungen der Zukunft überhaupt bewältigen zu können“, so Andreas Rüsseler. Bei den hohen Erwartungen an die Ära der digitalisierten Wirtschaft werde leicht übersehen, dass Netzwerkinstallationen genauso benötigt werden wie Apps, Computer, Rechenzentren und Milliarden Dinge mit Internetanschluss – das sogenannte „Internet der Dinge“. Der Trend zur Digitalisierung mache die Wirtschaft sogar völlig abhängig von engmaschigen, schnellen und unterbrechungsfrei arbeitenden Netzwerkinfrastrukturen. Eine Marktstudie der IT-Beratung Capgemini bestätigt den Trend. Demnach ist die Digitalisierung bei mehr als der Hälfte aller IT-Chefs (CIO) das derzeit beherrschende Thema. Und sie bleibt es auch auf absehbare Zeit.

R&M empfiehlt Planern, Investoren und Netzbetreibern derzeit verstärkt, die physikalische Ebene der Netzwerke – die Verkabelung – von Anfang an in die Digitalisierung einzubeziehen. Darunter versteht R&M, dass zu jedem Netzwerk künftig ein vollständiges virtuelles Abbild hinterlegt werden sollte. Art, Funktion und Zustand jeder Steckverbindung und jedes Kabels sollten digital erfasst, zentral verwaltet und via Web-Applikation vollautomatisiert kontrolliert werden. Anders lässt sich nach Einschätzung von R&M die steigende Menge an Netzwerkinformationen und -verbindungen nicht beherrschen, die das allgegenwärtige Internet der Dinge, die Cloud-Dienste und der wachsende Bedarf an Bandbreite mit sich bringen.

R&M empfiehlt Planern, Investoren und Netzbetreibern derzeit verstärkt, die physikalische Ebene der Netzwerke – die Verkabelung – von Anfang an in die Digitalisierung einzubeziehen.

Allein der Markt der strukturierten Verkabelung, auf dem sich R&M überwiegend bewegt, wächst jährlich um etwa drei Prozent. Im Jahr 2020 werden 50 Milliarden Sensoren mit dem Internet der Dinge verbunden sein, schätzt das Hardware-Hersteller Cisco. Der Chip-Hersteller Intel prognostiziert, dass im Jahr 2030 etwa 200 Milliarden Dinge, Apparate, Maschinen, Gebäude mit dem Internet verbunden sind. „All diese Verbindungen wird jemand managen müssen“, so Andreas Rüsseler. Daraus leitet R&M einen steigenden Bedarf an umfassend geplanten, ganzheitlichen Netzwerk-Lösungen ab. Neben den Verkabelungssystemen beinhalten sie die Technik und Software für Digitalisierung, Überwachung und Management.

R&M bietet mit R&MinteliPhy bereits eine entsprechende Lösung an. Das Netzwerk-Monitoringsystem überwacht Verkabelungen über beliebige Distanzen und in jeder Grössenordnung. Es ermöglicht die dreidimensionale digitale Darstellung der Rechenzentrums-Infrastruktur. „Sukzessive erweitern wir das Verkabelungssortiment um Software und Services“, berichtet Andreas Rüsseler. R&M baut Kompetenzen auf, um IT-Prozesse rund um die Infrastruktur beherrschen und unterstützen zu können. Mit weiteren Entwicklungen will R&M das Management von Datennetzen bedienungsfreundlicher gestalten.

Den grössten Bedarf erkennt R&M derzeit bei Rechenzentren. „Hyperscale Data Center, die sich über eine Fläche von mehreren Fussballfeldern erstrecken, lassen sich manuell nicht überwachen. Auch räumlich verteilte Rechenzentren von Cloud-Anbietern und anderen Unternehmen benötigen ein zentral steuerbares, vollständig automatisiertes Infrastruktur-Management – AIM genannt – wie es R&MinteliPhy ermöglicht. Diese Automatisierung lässt sich nur auf der Basis eines digitalen Abbilds der Infrastruktur umsetzen“, erläutert der CMO. R&M betrachtet die AIM-Lösung R&MinteliPhy darüber hinaus als Baustein eines übergeordneten Data Center Infrastruktur-Managements (DCIM).

„Ohne digitale Planung, Bestandsaufnahme und Onlinekontrolle des gesamten Data Center kann heute kein IT-Anbieter hoch verfügbare Services darstellen. Detail- und Zustandsinformationen in Echtzeit sind ein Muss“, sagt Andreas Rüsseler. R&M plädiert in diesem Zusammenhang für eine durchgängige, umfassende Betrachtung, die sich über alle Ebenen der Datenübertragung vom Stecker bis zur Anwendung erstreckt. „Was nutzt eine Überwachung des Netzes auf höheren Layers, wenn irgendwo ein Netzwerkstecker gezogen oder falsch eingesteckt wurde und niemand es bemerkt“, fragt Andreas Rüsseler. Bedienungsfehler und ähnliche Pannen auf der Ebene der passiven Netzwerkinfrastruktur verursachen mehr als die Hälfte der Data Center Ausfälle, verweist R&M auf Markstatistiken. Allein dieses Problem erzwinge eine Echtzeit-Überwachung der Verkabelung. Ursachen für Havarien, Verzögerungen, Signalverluste oder hohe Verbrauchswerte können kurzfristig online aus dem digitalen Abbild eines Vorgangs bzw. einer Infrastruktur ermittelt werden.

„Ohne digitale Planung, Bestandsaufnahme und Onlinekontrolle des gesamten Data Center kann heute kein IT-Anbieter hoch verfügbare Services darstellen. Detail- und Zustandsinformationen in Echtzeit sind ein Muss“, sagt Andreas Rüsseler, CMO bei R&M AG.

Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist AIM unabdingbar, um den Lebenszyklus-Status der verwendeten Assets jederzeit per Mouseclick abrufen und analysieren zu können. Digitale Informationen über die Infrastruktur werden damit zu einem Erfolgsfaktor. Sie sind nach Überzeugung von R&M essentiell für nachhaltige Wertschöpfung, strategische Entscheidungen und agile Reaktionen auf Marktveränderungen. AIM erleichtert übergreifende Planungen, vereinfacht die Organisation und die Geschäftsprozesse. „Das sind genau die Punkte, die Capgemini als Hindernisse auf dem Weg zur digitalisierten IT-Organisation erkannt hat“, so der CMO. Das R&M Fachmagazin Connections No. 51 informiert über die Vorgehensweise beim Aufbau digitaler Abbilder von Netzwerkinfrastrukturen.

Wie in Rechenzentren, so werden künftig auch die Infrastrukturen von Gebäuden virtuell abgebildet. Das Building Information Modelling (BIM) ermöglicht die durchgängige Digitalisierung von der ersten Architektenskizze bis zur laufenden Bewirtschaftung. R&M erkennt darin einen weiteren Wachstumsmarkt. Andreas Rüsseler: „Mit BIM lassen sich auch alle Abschnitte der strukturierten Verkabelung vom Hausübergabepunkt bis zu den Outlets virtuell darstellen. Eine gute Grundlage, um sparsam planen, Manipulationen sofort erkennen, Änderungen simulieren oder Wartungsarbeiten am lokalen Datennetz effizient ausführen zu können.“

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Kategorie: Netzwerktechnik & Telematik, News

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