Normen für Rechenzentren: Die aktuelle Situation

| 25. Juli 2014 | Reply

R&M informiert, wie man heutige Rechenzentren zukunftsorientiert plant und dabei Investitionskosten, Betriebskosten und die Zuverlässigkeit im Blick behält

Rechenzentren planen, errichten, betreiben, erweitern – am sichersten ist es, wenn man sich an die Norm hält. Aber an welche? Orientierung gibt das neue Data Center Handbuch des Schweizer Verkabelungsspezialisten R&M.

Die neue europäische Serie EN 50600 ist gerade erst im Entstehen, informiert R&M. Die bekannten Normen ISO/IEC 24764 und EN 50173-5 decken nicht alle heutigen Probleme ab. Das zurzeit aktuellste Normenwerk für Rechenzentren ist die amerikanische TIA-942-A, publiziert im August 2012. TIA-942-A ist zugleich die umfassendste Norm. Sie behandelt praktisch alle Aspekte rund um das Rechenzentrum – einschließlich der Sicherheitsbetrachtungen bei der Standortwahl, der Anforderung an die Verfügbarkeit und der Koordination von Gebäudeplanung, Infrastrukturentwurf und Wahl der technischen Ausstattung.

„Strukturierte Verkabelung ist nur ein Teilaspekt“, sagt Dr. Thomas Wellinger, Market Manager Data Center bei R&M. „Strukturiertes Vorgehen bei der gesamten Planung und Durchführung ist die Voraussetzung für eine sichere, auf Jahre hinaus zufrieden stellende Funktion.“

TIA-942-A schlägt eine Topologie vor, die sich auf jede Grösse von Rechenzentren – vom kleinen Unternehmens-Data-Center bis hin zum Grossrechenzentrum für Internet-Dienste – anwenden lässt. Neu bei TIA ist die Einführung eines Zwischenverteilers IDA (Intermediate Distribution Area) zwischen MDA (Main Distribution Area) und HDA (Horizontal Distribution Area). Die Verteilerebene IDA dient der besseren Strukturierung der Verkabelung bei Verwendung eines zweiten Eingangsraums. Diese Ergänzung findet sich analog im Amendment 2 der EN 50173-5.

Neu ist bei TIA-942-A auch eine strikte räumliche Trennung: Die Schnittstelle zum externen Netz darf sich nicht im Computerraum befinden. Was die Trennung von nachrichtentechnischer Verkabelung und Energieversorgungskabeln betrifft, verweist TIA-942-A auf die TIA-569-C.

Für die optische Verkabelung empfiehlt TIA-942-A Multimode-Lichtwellenleiterkabel der Klasse OM4 bzw. Singlemode-Kabel 9/125 µm. Als Steckverbinder sind LC-Duplex nach TIA-604-10 für zwei Fasern oder Mehrfasersteckverbinder MPO/MTP® nach TIA-604-5 vorgesehen. Als sinnvoll erachtet R&M, dass TIA jetzt auf die Angabe maximaler Längen für Glasfaserkabel verzichtet. Die möglichen Längen ergeben sich aus der darauf laufenden Anwendung.

Für die Kupferübertragungstrecken empfiehlt TIA-942-A die Kategorie 6A. TIA unterscheidet dabei nicht zwischen Channel, Permanent Link und Komponenten. Kategorie 6A ist ohnehin nur bedingt mit der Klassifizierung nach der internationalen ISO/IEC oder der europäischen EN zu vergleichen, die für die Komponenten die Kategorie Cat. 6A und für den Channel die Klasse EA definieren. Auf den Unterschied zwischen 6A und 6A hat R&M bereits mehrfach hingewiesen: Das tiefgestellte A steht für die höheren Anforderungen.

Als Fazit lässt sich festhalten: Keines der Normenwerke ist vollständig. Bei der Planung eines Rechenzentrums sollte man deshalb alle relevanten Normen zu Rate ziehen und sich jeweils nach der strengsten Forderung richten. So ist man am besten für zukünftige Entwicklungen gerüstet. Wichtig ist, die entsprechende Normenspezifikation im Pflichtenheft aufzuführen, um Unklarheiten zu vermeiden. Zur Unterstützung der Planer und Betreiber von Rechenzentren hat R&M ein umfassendes Handbuch erarbeitet. Interessenten können das 190 Seiten starke Werk als E-Book kostenlos herunterladen.

Info: www.rdm.com/schweiz

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Category: News, Rechenzentrum & Infrastruktur, Themen

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